← Eröffnungskodex · Endspiel-Atlas · Großmeister-Atlas
Vol.16 Ch.1: Trompowsky Attack: 2...Ne4 3. Bh4 Line (A45) · Vol.16 Ch.2: Blackmar–Diemer Gambit Accepted (D00) · Vol.16 Ch.3: Blackmar–Diemer Declined & Vienna Defense (D00) · Vol.16 Ch.4: Englund Gambit: Refuting the 3...Qe7 Trap (A40)
Blackmar–Diemer Declined & Vienna Defense (D00)
ECO D00 · Vol.16 · Ch.3 · 1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Nc3 Nf6
EPD: rnbqkb1r/ppp1pppp/5n2/8/3Pp3/2N5/PPP2PPP/R1BQKBNR w KQkq - · Eval +0.10
Erfahrene Verteidiger wissen: Der beste Weg, einem Gambit den Zahn zu ziehen, besteht darin, dem Angreifer seine Lieblingslinie gar nicht erst zu öffnen. Am Scheideweg des Blackmar-Diemer-Gambits (D00: 1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Nc3 Nf6) lehnt Schwarz 4. f3 häufig mit der Wiener Verteidigung (4...Bf5) oder der Weinsbach-Verteidigung (4...e6) ab, während unternehmungslustige Weißspieler im vierten Zug auch in das tückische von-Popiel-Gambit (4. Bg5) abbiegen können.
Weigert sich Schwarz mit 4...Bf5 oder 4...e6, dir über 4...exf3 die f-Linie zu öffnen, erobere e4 geduldig zurück, statt unkorrekte Opfer mit der Brechstange zu erzwingen!
Historischer Ursprung & Bauernstruktur-DNA
Octávio Trompowsky (Brasilien, 1930er), Julian Hodgson & Diemers Gambitlabor · Asymmetrische f-Doppelbauern & offene zentrale Gambitlinien · Octávio Trompowsky, Julian Hodgson, Emil Josef Diemer, Richard Rapport
Vom brasilianischen Meister Octávio Trompowsky bei der Schacholympiade 1939 eingeführt und in den 1990er Jahren vom britischen GM Julian Hodgson zur gefürchteten Großmeisterwaffe geschmiedet, bleibt 2. Bg5 ein erstklassiger Theorieschreck.
Im Trompowsky droht Weiß ständig mit Bxf6 unflexible f-Doppelbauern zu schaffen, sofern Schwarz nicht energisch mit 2...Ne4, 2...d5 oder 2...c5 reagiert; in den Damenbauerngambits zählen schnelle Rochade und die offene f-Linie mehr als ein geopferter Bauer.
Strategischer Plan für Weiß
- 4. f3 anbieten – und falls Schwarz 4...Bf5 (Wiener Verteidigung) wählt, energisch mit 5. fxe4! Nxe4 6. Qf3! antworten, was gleichzeitig f5 und e4 angreift.
- Gegen die solide Weinsbach-Ablehnung (4. f3 e6) nach 5. fxe4 Bb4 6. Bd3 c5! mit 7. Nf3 oder 6. Bg5 eine breite zentrale Präsenz behaupten.
- Oder Spezialisten für das angenommene Gambit bereits im vierten Zug mit 4. Bg5! (von-Popiel-Gambit) überraschen und mittels Qe2 sowie O-O-O den Bauern e4 unter maximalem Figurendruck zurückgewinnen.
Gegenspiel & Hebel für Schwarz
- Die Wiener Verteidigung (4. f3 Bf5) spielen: nach 5. fxe4 Nxe4 6. Qf3 präzise mit 6...Nd6! (deckt f5 und greift c2 an) oder 6...Nxc3 7. bxc3 Qd5! kontern.
- Die französisch geprägte Weinsbach-Verteidigung (4. f3 e6 5. fxe4 Bb4!) wählen, Nc3 fesseln, um e4 zu untergraben, und sofort mit ...c5 im Zentrum nachsetzen.
- Auch Lembergers Gegengambit im dritten Zug (3...e5 statt 3...Nf6) beachten, das nach 4. dxe5 Qxd1+ früh die Damen tauscht und weiße Angriffsträume im Keim erstickt.
Typische Fallen & Fehler
- In der Wiener Variante 4. f3 Bf5 5. fxe4 Bxe4?! mit dem Läufer statt dem Springer wiederzunehmen, erlaubt Weiß 6. Nxe4 Nxe4 7. Qf3! mit starkem Doppelangriff und Läuferpaar.
- Im von-Popiel-Gambit 4. Bg5 Bf5 5. Qe2 Qxd4?? rächt sich der gierige Raub auf d4 sofort durch 6. Qb5+! Bd7 7. Qxb7 Bc6 8. Bb5! mit unmittelbarem Materialgewinn.
Kanonische ECO-Untervarianten
- D00 Blackmar-Diemer Gambit:
1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Nc3 Nf6(rnbqkb1r/ppp1pppp/5n2/8/3Pp3/2N5/PPP2PPP/R1BQKBNR w KQkq -) - D00 Blackmar-Diemer Gambit: Lemberger Countergambit:
1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Nc3 e5(rnbqkbnr/ppp2ppp/8/4p3/3Pp3/2N5/PPP2PPP/R1BQKBNR w KQkq e6) - D00 Blackmar-Diemer Gambit: von Popiel Gambit:
1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Nc3 Nf6 4. Bg5(rnbqkb1r/ppp1pppp/5n2/6B1/3Pp3/2N5/PPP2PPP/R2QKBNR b KQkq -) - D00 Blackmar-Diemer Gambit Declined: Weinsbach Defense:
1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Nc3 Nf6 4. f3 e6(rnbqkb1r/ppp2ppp/4pn2/8/3Pp3/2N2P2/PPP3PP/R1BQKBNR w KQkq -) - D00 Blackmar-Diemer Gambit: Zeller Defense:
1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Nc3 Bf5(rn1qkbnr/ppp1pppp/8/5b2/3Pp3/2N5/PPP2PPP/R1BQKBNR w KQkq -) - D00 Blackmar-Diemer Gambit Declined: Brombacher Countergambit:
1. d4 d5 2. e4 dxe4 3. Nc3 Nf6 4. f3 c5(rnbqkb1r/pp2pppp/5n2/2p5/3Pp3/2N2P2/PPP3PP/R1BQKBNR w KQkq c6)
FAQ
Warum lehnen viele Meister 4. f3 lieber mit 4...Bf5 oder 4...e6 ab, statt 4...exf3 zu schlagen?
4...exf3 überlässt Weiß eine halboffene f-Linie und ein Gratistempo durch 5. Nxf3; die Ablehnung zwingt Weiß, selbst einen Zug für fxe4 aufzuwenden, wodurch d4 anfällig gegen ...Bb4 und ...c5 wird.
Wie übersteht Schwarz den Doppelangriff 6. Qf3 in der Wiener Verteidigung (4. f3 Bf5 5. fxe4 Nxe4)?
Sowohl 6...Nd6! (deckt f5 und schielt nach c2) als auch 6...Nxc3 7. bxc3 Qc8/Qd5! halten die schwarze Stellung kerngesund – falsch ist nur Panik, die auf b7 oder f5 eine Figur einstellt.
Welche Idee steckt hinter dem weißen von-Popiel-Gambit mit 4. Bg5?
Statt den f-Bauern zu opfern, fesselt 4. Bg5 den Springer auf f6, sodass Weiß mit Qe2, O-O-O und Bxf6/Nxe4 ein offenes Figurenspiel erzwingt, in dem gieriges ...Qxd4 taktisch bestraft wird.
Großmeister dieser Technik
- José Raúl Capablanca (CUB · 8 yrs Unbeaten) — 3. Weltmeister · Die menschliche Schachmaschine (8 Jahre ungeschlagen)
- Viswanathan Anand (IND · 2817 FIDE) — 15. Weltmeister · Das Blitzkind aus Madras
- Alexander Alekhine (FRA · 17 yrs Champ) — 4. Weltmeister · Großarchitekt tiefgründiger Kombinationen
A45 · Trompowsky Attack: 2...Ne4 3. Bh4 Line (A45) · D00 · Blackmar–Diemer Gambit Accepted (D00) · A40 · Englund Gambit: Refuting the 3...Qe7 Trap (A40) · Tarrasch Rule & Active Rook Coordination